Monday, November 27, 2006

Leitfaden für das Alltagsleben

Foucault

1. Befreie die politische Aktion von jeder vereinheitlichenden und totalisierenden Paranoia!

2. Verweigere den alten Kategorien des Negativen (das sind Gesetz, Grenze, Kastration, Mangel, Lücke), die das westliche Denken so lange als eine Form der Macht und einen Zugang zur Realität geheiligt hat, jede Gefolgschaft! Gib dem den Vorzug, was positiv ist und multipel, der Differenz vor der Uniformität, den Strömen vor den Einheiten, den mobilen Anordnungen vor den Systemen! Glaube daran, daß das Produktive nicht seßhaft ist, sondern nomadisch!

3. Denke nicht, daß man traurig sein muß, um militant sein zu können – auch dann nicht, wenn das, wogegen man kämpft, abscheulich ist! Es ist die Konnexion des Wunsches mit der Realität (und nicht sein Rückzug in Repräsentationsformen), die revolutionäre Kraft hat.

4. Gebrauche das Denken nicht, um eine politische Praxis auf Wahrheit zu gründen – und ebensowenig die politische Aktion, um eine Denklinie als bloße Spekulation zu diskreditieren! Gebrauche die politische Praxis als Intensifikator des Denkens und die Analyse als Multiplikator der Formen und Bereiche der Intervention der politischen Aktion!

5. Verlange von der Politik nicht die Wiederherstellung der "Rechte" des Individuums, so wie die Philosophie sie definiert hat! Das Individuum ist das Produkt der Macht. Viel nötiger ist es, zu "ent-individualisieren", und zwar mittels Multiplikation und Verschiebung, mittels diverser Kombinationen. Die Gruppe darf kein organisches Band sein, das hierarchisierte Individuen vereinigt, sondern soll ein dauernder Generator der Ent-Individualisierung sein.

6. Verliebe dich nicht in die Macht!

Saturday, November 25, 2006

Länderwerbung

Israel

Pro Israel Demo Berlin 2006

Israels Krieg im Libanon

Musik muss sein

Bush und Blair siegen uns "Endless Love"

Friday, November 24, 2006

Tuesday, November 21, 2006

Soziale Bewegung als Widerstand

Holloway über den Begriff der Zivilgesellschaft

Ohne Worte

Ihr müsst alle sterben ...

Abschiedsbrief des Amokläufer von Emsdetten

Wenn man weiss, dass man in seinem Leben nicht mehr Glücklich werden kann, und sich von
Tag zu Tag die Gründe dafür häufen, dann bleibt einem nichts anderes übrig als aus diesem
Leben zu verschwinden. Und dafür habe ich mich entschieden. Es gibt vielleicht Leute die
hätten weiter gemacht, hätten sich gedacht "das wird schon", aber das wird es nicht.
Man hat mir gesagt ich muss zur Schule gehen, um für mein leben zu lernen, um später ein
schönes Leben führen zu können. Aber was bringt einem das dickste Auto, das grösste Haus,
die schönste Frau, wenn es letztendlich sowieso für'n Arsch ist. Wenn deine Frau beginnt
dich zu hassen, wenn dein Auto Benzin verbraucht das du nicht zahlen kannst, und wenn du
niemanden hast der dich in deinem scheiss Haus besuchen kommt!
Das einzigste was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe war, das ich ein Verlierer
bin. Für die ersten jahre an der GSS stimmt das sogar, ich war der Konsumgeilheit verfallen, habe
danach gestrebt Freunde zu bekommen, Menschen die dich nicht als Person, sondern als Statussymbol sehen.
Aber dann bin ich aufgewacht! Ich erkannte das die Welt wie sie mir erschien nicht existiert, das
sie eine Illusion war, die hauptsächlich von den Medien erzeugt wurde.
Ich merkte mehr und mehr in was für einer Welt ich mich befand. Eine Welt in der Geld alles regiert,
selbst in der Schule ging es nur darum. Man musste das neuste Handy haben, die neusten Klamotten, und
die richtigen "Freunde". hat man eines davon nicht ist man es nicht wert beachtet zu werden. Und diese
Menschen nennt man Jocks. Jocks sind alle, die meinen aufgrund von teuren Klamotten oder schönen Mädchen
an der Seite über anderen zu stehen. Ich verabscheue diese Menschen, nein, ich verabscheue Menschen.

Ich habe in den 18 Jahren meines Lebens erfahren müssen, das man nur Glücklich werden kann, wenn man
sich der Masse fügt, der Gesellschaft anpasst. Aber das konnte und wollte ich nicht. Ich
bin frei! Niemand darf in mein Leben eingreifen, und tut er es doch hat er die Konsequenzen
zu tragen! Kein Politiker hat das Recht Gesetze zu erlassen, die mir
Dinge verbieten, Kein Bulle hat das Recht mir meine Waffe wegzunehmen, schon gar nicht
während er seine am Gürtel trägt.

Wozu das alles? Wozu soll ich arbeiten? Damit ich mich kaputtmaloche um mit 65 in den Ruhestand zugehen
und 5 Jahre später abzukratzen?
Warum soll ich mich noch anstrengen irgendetwas zu erreichen, wenn es letztendlich sowieso für'n Arsch
ist weil ich früher oder später krepiere?
Ich kann ein Haus bauen, Kinder bekommen und was weiss ich nicht alles. Aber wozu? Das Haus wird irgendwann
abgerissen, und die Kinder sterben auch mal. Was hat denn das Leben bitte für einen Sinn? Keinen! Also
muss man seinem Leben einen Sinn geben, und das mache ich nicht indem ich einem überbezahlten Chef im Arsch
rumkrieche oder mich von Faschisten verarschen lasse die mir erzählen wollen wir leben in einer Volksherrschaft.
Nein, es gibt für mich jetzt noch eine Möglichkeit meinem Leben einen Sinn zu geben, und die werde ich nicht wie
alle anderen zuvor verschwenden! Vielleicht hätte mein Leben komplett anders verlaufen können. Aber die
Gesellschaft hat nunmal keinen Platz für Individualisten. Ich meine richtige Individualisten, Leute die slebst
denken, und nicht solche "Ich trage ein Nietenarmband und bin alternativ" Idioten!

Ihr habt diese Schlacht begonnen, nicht ich. Meine Handlungen sind ein Resultat eurer Welt, eine Welt die mich nicht
sein lassen will wie ich bin. Ihr habt euch über mich lustig gemacht, dasselbe habe ich nun mit euch getan,
ich hatte nur einen ganz anderen Humor!

Von 1994 bis 2003/2004 war es auch mein Bestreben, Freunde zu haben, Spass zu haben. Als ich dann 1998 auf die GSS kam,
fing es an mit den Statussymbolen, Kleidung, Freunde, Handy usw.. Dann bin ich wach geworden. Mir wurde bewusst das ich
mein Leben lang der Dumme für andere war, und man sich über mich lustig machte. Und ich habe mir Rache geschworen!
Diese Rache wird so brutal und rücksichtslos ausgeführt werden, dass euch das Blut in den Adern gefriert. Bevor ich gehe,
werde ich euch einen Denkzettel verpassen, damit mich nie wieder ein Mensch vergisst!
Ich will das ihr erkennt, das niemand das Recht hat unter einem faschistischen Deckmantel aus Gesetz und Religion in
fremdes Leben einzugreifen!
Ich will das sich mein Gesicht in eure Köpfe einbrennt!
Ich will nicht länger davon laufen!
Ich will meinen Teil zur Revolution der Ausgestossenen beitragen!
Ich will R A C H E !

Ich habe darüber nachgedacht, dass die meisten der Schüler die mich gedemütigt haben schon von der GSS abgegangen
sind. Dazu habe ich zwei Dinge zu sagen:
1. Ich ging nicht nur in eine klasse, nein, ich ging auf die ganze Schule.
Die Menschen die sich auf der Schule befinden, sind in keinem Falle unschuldig! Niemand ist das! In deren Köpfen läuft das
selbe Programm welches auch bei den früheren Jahrgängen lief!
Ich bin der Virus der diese Programme zerstören will, es ist völlig irrelewand wo ich da anfange.
2. Ein Grossteil meiner Rache wird sich auf das Lehrpersonal richten, denn das sind Menschen die gegen meinen Willen in
mein Leben eingegriffen haben, und geholfen haben mich dahin zu stellen, wo ich jetzt stehe; Auf dem Schlachtfeld! Diese Lehrer
befinden sich so gut wie alle noch auf dieser verdammten schule!



Das Leben wie es heute täglich stattfindet ist wohl das armseeligste was die Welt zu
bieten hat!
S.A.A.R.T. - Schule, Ausbildung, Arbeit, Rente, Tod
Das ist der Lebenslauf eines "normalen" Menschen heutzutage. Aber was ist eigentlich normal?
Als normal wird das bezeichnet, was von der Gesellschaft erwartet wird. Somit werden heutzutage Punks, Penner,
Mörder, Gothics, Schwule usw. als unnormal bezeichnet, weil sie den allgemeinen Vorstellungen
der Gesellschaft nicht gerecht werden, können oder wollen.
Ich scheiss auf euch! Jeder hat frei zu sein!
Gebt jedem eine Waffe und die Probleme unter den Menschen lösen sich ohne jedliche Einmischung
Dritter.
Wenn jemand stirbt, dann ist er halt tot. Und? Der Tod gehört zum Leben! Kommen die Angehörigen
mit dem Verlust nicht klar, können sie Selbstmord begehen, niemand hindert sie daran!

S.A.A.R.T. beginnt mit dem 6. Lebensjahr hier in Deutschland, mit der Einschulung.
Das Kind begibt sich auf seine perönliche Sozialisationsstrecke, und wird in den
darauffolgenden Jahren gezwungen sich der Allgemeinheit, der Mehrheit anzupassen. Lehnt es dies
ab, schalten sich Lehrer, Eltern, und nicht zuletzt die Polizei ein.
Schulpflicht ist die Schönrede von Schulzwang, denn man wird ja gezwungen zur Schule zu gehen.
Wer gezwungen wird, verliert ein Stück seiner Freiheit.
Man wird gezwungen Steuern zu zahlen, man wird gezwungen Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten,
man wird gezwungen dies zu tun, man wird gewzungen das zu tun. Ergo: Keine Freiheit!
Und sowas nennt man dann Volksherrschaft. Wenn das Volk hier herrschen würde, hiesse es Anarchie!
WERDET ENDLICH WACH - GEHT AUF DIE STRASSE - DAS HAT IN DEUTSCHLAND SCHONMAL FUNKTIONIERT!


Nach meiner Tat werden wieder irgendwelche fetten Politiker dumme Sprüche klopfen wie "Wir halten nun alle zusammen" oder
"Wir müssen gemeinsam versuchen dies durchzustehen". Doch das machen sie nur um Aufmerksmakeit zu bekommen, um sich selbst
als die Lösung zu präsentieren.
Auf der GSS war es genauso... niemals lässt sich dieses fette Stück Scheisse von Rektorin blicken, aber wenn Theater-
aufführungen sind, dann steht sie als erste mit einem breiten Grinsen auf der Bühne und präsentiert sich der Masse!


Nazis, HipHoper, Türken, Staat, Staatsdiener, Gläubige...einfach alle sind zum kotzen und müssen vernichtet werden!
(Den begriff "Türken" benutze ich für alle HipHopMuchels und Kleingangster; Sie kommen nach Deutschland weil die Bedingungen bei
ihnen zu hause zu schlecht sind, weil Krieg ist... und dann kommen Sie nach Deutschland, dem Sozialamt der Welt, und lassne hier
die Sau raus. Sie sollten alle vergast werden! Keine Juden, keine Neger, keine Holländer, aber Muchels! ICH BIN KEIN SCHEISS NAZI)
Ich hasse euch und eure Art! Ihr müsst alle sterben!

Seit meinem 6. Lebensjahr wurde ich von euch allen verarscht! Nun müsst ihr dafür bezahlen!




Weil ich weiss das die Fascholizei meine Videos, Schulhefte, Tagebücher, einfach alles, nicht veröffentlichen will, habe ich das selbst
in die Hand genommen.



Als letztes möchte ich den Menschen die mir was bedeuten, oder die jemals gut zu mir waren, danken, und mich für all dies Entschuldigen!

Ich bin weg...

Monday, November 20, 2006

Info

Der Gazastreifen (



arabisch قطاع غزّة, Qitāʿ Ghazza, hebräisch רצועת עזה, Retzuat Azza) ist ein Küstenstreifen am Mittelmeer. Er gehört zu den Palästinensischen Autonomiegebieten und steht im Innern unter Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde. Israel nimmt die Kontrolle der Außengrenzen auf der nördlichen und östlichen Landseite, der westlichen Seeseite sowie die indirekte Kontrolle des Personenverkehrs über Videoschaltung auf der Südseite wahr (in Zusammenarbeit mit Ägypten und der Europäischen Union). Auch in der Wasser- und Stromversorgung sowie der Telekommunikation ist der Gazastreifen nicht autonom und von Israel abhängig.

The Killing Zone

Gaza

Eine Reportage über die Verhältnisse in Gaza (Palästina) Länge ca. 45 min.

Sunday, November 19, 2006

In den Rücken

Gaza

Israel/Palästina

The Wall


Mit Graffiti noch sperrlich bestückt, dürfte wohl auch diese Mauer, die Menschen schützen/trennen soll - je nachdem welche Positionen vertreten werden - bald zu einem Eldorado der widerständischen Sprayer-Szene, die von beiden Seiten der Mauer kommt.

Friday, November 17, 2006

Nuku'alofa up in smoke

Tonga

Das letze Paradies wie es auf vielen Urlaubsbroschüren heißt geht in Flammen auf. Was die Menschen dort wollen? Sie wollen mehr Recht, mehr Demokratie und sie wollen den Monarchen nicht mehr.

Sterben musste bis zu letzt 8 Menschen, nachdem es zu Gewaltsamen Ausschreitungen kam. Der Monarch lenkte erst, als 80 % der Innenstadt von Nuku'alofa in Schutt und Asche aufging ein.

Zur Sicherheit schicken die neuseeländische und die australische Regierung 150 Soldaten auf den Inselstaat um den Flughafen und strategische Punkte zu schützen. Aber zu welchem Schutz, wen Schützen sie?

Acht Tote bei Ausschreitungen in Tonga

Die Inselgruppe ist eine konstitutionelle Monarchie
und liegt Nord-Östlich von Australien.

Auf der Insel mit ca. 100.000 Einwohner kommt es seit ein paar Tagen zu heftigen Ausschreitungen.

Saturday, November 11, 2006

Antifa Demo bei der Nazi durchdrehen

Wismar 12.August 2006

Ich dokumentiere hier eine Begebenheit der besonderen Art. Als die Demonstration der Antifaschisten/innen an einem Laden für Neonaziartikel vorbeiführte, verloren ein paar Neonazis die Nerven. Die Polizei musste mit gezogener Waffe die Situation klären. Urteilt selbst.


Infos

Oaxaca

Oaxaca ist ein Bundesstaat Mexikos und liegt ganz im Süden (siehe grüne Markierung)

Auf dem Video kann man verschiedene Aufnahmen der Ereignisse sehen, die aus verschiedenen Medien zusammen geschnitten wurden.

Friday, November 10, 2006

Befriff der Revolte

bei Albert Camus

Der Begriff der Revolte bedeutet Empörung, Auflehnung, Aufruhr. Der Begriff steht im Gegensatz zur Revolution meist für den Aufstand einer kleineren Gruppe von Personen, der lokal begrenzt ist.

Camus beschreibt in seinem Essay L´homme révolté die Revolte als Möglichkeit, menschliche Würde zu erlangen. Ausgangspunkt ist das Absurde. Im Sozialen zeigt sich das Absurde in der Gestallt einer ungerechten und unmenschlichen Geschichte. In der Revolte empört sich der Einzelne über unmenschlichen Bedingungen. Dagegen steht der Mensch auf, um für die Verteidigung der gemeinsamen menschlichen Würde zu kämpfen. Dabei kann der Mensch Solidarität und Gemeinschaftsgefühl erfahren.

Camus warnt davor, dass die Revolte umschlagen kann, dass das ursprüngliche streben nach Gerechtigkeit und Menschlichkeit in Tyrannei ausarten kann. Hier die Balance zu halten ist die Wahrung die Camus ausspricht, wenn er davon spricht, Mass zu halten.

Unter den Bedingungen des globalen Kapitalismus bekommt der Text von Camus eine ganze neue Note. Ich empfehle eine Re-lektüre des 1951 geschriebenen Textes vorzunehmen und diesen vor dem Hintergrund einer Neo-Liberalen Welt-Politik noch einmal durchzuarbeiten.

Friday, November 03, 2006

Menschen in der Revolte

Oaxaca

Die Bilder gleichen sich, weltweit gehen immer mehr Menschen auf die Straße. Sie kämpfen gegen die unmenschlichen Bedingungen denen sie ausgesetzt sind. Noch gibt es kein gemeinsames Konzept, keine gemeinsame Front, aber was es gibt, ist der Unmut gegen einen
weltweiten Kapitalismus.




Was ist die Revolution?

John Holloway

1. Die Revolution ist notwendiger denn je. Das ist offensichtlich!

2. Die einzige Form, die Revolution zu denken, ist in der Form von Rissen im kapitalistischen Herrschaftsgeflecht: das Erkennen, das Schaffen, das Ausweiten, die Vervielfältigung und das Zusammenfließen von Räumen und Momenten der Negation-und-Erschaffung, von Räumen und Augenblicken, in denen die Menschen sagen "Es reicht" Hier nicht! Hier werden wir unser Leben nicht der Herrschaft des Kapitals unterordnen, hier machen wir, was wir für notwendig und wünschenswert halten!"

3. Die Revolution kommt zweifelsohne aus den Zwischenräumen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Abschaffung des Kapitalismus überall auf der Welt zum gleichen Zeitpunkt stattfinden kann.

4. Die Charakter der Revolution aus den Zwischenräumen heraus wurde in der Vergangenheit durch die absurde Idee verdeckt, dass jeder Staat eine eigene Gesellschaft darstelle, anstatt zu erkennen, dass jeder Staat nur ein Fragment der globalen kapitalistischen Gesellschaft ist. Dei Eroberung eines Staates wurde daher als eine "Revolution" an sich gesehen, anstatt sie als einen Versuch zu sehen, die gesellschaftlichen Verhältnisse in einem Teil der globalen kapitalistischen Gesellschaft zu verändern.

5. Wenn wir davon ausgehen, dass die Revolution zwangsläufig nur aus den Zwischenräumen heraus entstehen kann, dann stellt sich die Frage, welche die relevanten Räume und Zwischenräume sind? Viele Revolutionäre stellen den Staat als den entscheidenden Raum in den Mittelpunkt, aber das hat den Nachteil, dass der Staat eine Organisationsform ist, die zur Unterstützung des Kapitals entwickelt wurde und den Zweck hat, die Menschen von der Bestimmung ihrer eigenen Leben auszuschließen. Sowohl die Geschichte des letzten Jahrhunderts als auch theoretische Reflexion legen nahe, dass es unmöglich ist,l eine selbstbestimmte (oder kommunistische) Gesellschaft zu schaffen, indem man sich einer Organisationsform bedient, die zur Unterdrückung der Selbstbestimmung geschaffen wurde. Die radikale Veränderung der Gesellschaft durch den Staat ist unmöglich.

Radikale Veränderung ohne Staat

6. Wenn wir über Risse in der kapitalistischen Herrschaft nachdenken, ist es besser, in nichtstaatlichen Dimensionen zu denken. Solche Risse existieren in vielen verschiedenen Formen auf der ganzen Welt. Sie können territorialer Art sein: "Hier, in diesem Raum (der lakadonische Urwald, eine besetzte Fabrik oder ein alternaives Café) werden wir die Logik des Kapitals nicht akzeptieren; hier schaffen wir andere gesellschaftliche Verhältnisse." Es kann sich auch um Risse in der Zeit handeln: "Hier, bei diesem Ereignis, während wir zusammen sind, machen wir die Dinge andres, öffnen wir Fenster in eine andere Welt." Oder sie können auf bestimmte Aktivitäten oder einzelne Ressourcen bezogen sein: "In der Frage des Wassers, der Software oder der Bildung kämpfen wir darum, die Herrschaft des Geldes und des Kapitals auszuschließen, diese Dinge müssen einer anderen Logik folgen."

7. Der Tod des Kapitalismus wird nicht Ergebnis einer Dolchstoßes ins Herz sein, sondern Resultat einer Million Bienenstiche. Wir sind diese Stiche.

8. Die Million Bienenstöcke sind eine Million Würden. Unsere Räume oder Momente der Verweigerung sind Räume oder Momente des Erschaffens, also das zu tun, was wir für notwendig und wünschenswert halten. Wir emanzipieren unsere kreative Macht von der instrumentellen Macht, die uns in Knechtschaft hält. Während wir die kapitalistische Gesellschaftlichkeit zerstören (da sie uns zerstört) erschaffen wir eine andere Gesellschaftlichkeit, die auf der kollektiven Bestimmung unseres eigenen Tuns basiert. Die Entfesselung-und-Erschaffung unserer eigenen kreativen Macht bildet den Kern der Revolution. Sie ist auch notwendig, um uns gegen die Drohung materieller Armut zu stelle, mit der die Würde in einer Gesellschaft, die auf der Negation der Würde basiert, belohnt wird.

Der Kapitalismus ist voller Risse

9. Unsere Würden sind Steine, die wir durch die Glassscheiben der kapitalistischen Herrschaft schmeißen. Es entstehen Löcher, aber, wichtiger noch, sie machen Sprünge ins Glas, die sich immer weiter ziehen. Die Bewegung ist das Entscheidende. Das Kapital ist ein ständiger Prozess, dieser Risse zu füllen, sich unsere Rebellionen wieder einzuverleiben, so dass unsere Rebellion um lebendig zu bleiben, sich schneller als das Kapital bewegen muss. Ein autonomer Raum, der sich nicht ausbreitet, der nicht zum Riss wird, läuft Gefahr, sich in siene Gegenteil zu verwandeln, in eine Institution.

10 Der Kapitalismus ist voller Risse, leider (die Rebellion, die in uns allen steckt, oder in einer Gruppe von Menschen, die sich zusammentut, um einen antikapitalistischen Raum zu schaffen) oder großer (wie der lakadonische Urwald, die Bewegung in Bolivien, die Aufstände und Verweigerungen in Frankreich). Manchmal sind sie so klein oder scheinbar "unpolitisch", dass wir sie nicht wahrnehmen. Die Revolution beginnt mit der Wahrnehmung der existierenden Risse und wächst mit der Erschaffung neuer, ihrer Ausdehnung, ihrer Vervielfältigung und ihrem Zusammenfließen. Das Zusammenfließen hängt mehr von Schockwellen, von Resonanzen und Affinitäten als von formellen Organisationsstrukturen ab.

Die Revolution aufzugeben ist keine Option

11. Revolutionen der Risse heißt Revolution hier und jetzt. Der Dolchstoß ins Herz muss vorbereitet werden, liegt immer in der Zukunft. Die Million Bienenstiche und würden sind hier und heute. Die Frage ist also nicht, wie wir die Bewegung für die Zukunft aufbauen, sondern wie wir die kapitalistischen Zusammenhänge jetzt und hier zerbrechen. Bruch, Verweigerung-und-Erschaffung hier und jetzt: hierin liegt die Herausforderung der Revolution.

12. Wir sind nicht verrückt und sofern wir es doch sind, sind wir mit unserem Wahnsinn nicht allein. Das alte leninistische Konzept ist in der Krise. Es schien zu Anfang, zumindest einigen, dass die Idee der Revolution an sich in der Krise sei, aber mittlerweile ist klar, dass es eine bestimmte Idee der Revolution ist, die in der Krise steckt und dass die Revolution dringlicher denn je ist.

13. Das alte Konzept der Revolution ist in der Krise, weil seine Grundlage, die abstrakte bzw. entfremdete Arbeit in der Krise steckt. Das alte Konzept war die revolutionäre Theorie der Arbeiterbewegung (und der Lohnarbeit selbst) eröffnet eine grundlegendere Ebene des Klassenkampfes: der Kampf des Tun gegen die Lohnarbeit (und deswegen gegen das Kapital). Es ist dieser neue und tief greifende Klassenkampf, der jetzt sowohl praktisch als auch theoretisch seinen Weg sucht. Wir sind die Krise der abstrakten Arbeit, die Krise der Lohnarbeit, wir sind die Revolte des Tuns gegen die entfremdeten Herrschaft, wir sind der Antrieb des Tuns in Richtung Selbstbestimmung. Wir sind, anders ausgedrückt, das Überfließen der Kreativität über die Fesseln der Arbeit hinaus. Wir sind sowohl die Antwort als auch die Frage eines neuen Klassenkampfes: in der korrekten Reihenfolge, zuerst die Antwort, dann die Frage.

14. Die Schwierigkeiten dieser Ansatzes sind offensichtlich: dieser Punkt kann den Leser sicher anvertraut werden. Ich sehe jedoch keinen anderen Weg vorwärts Die Revolution aufzugeben ist keine Option.

15. Fragend schreiten wir voran.

Revolte II

Oaxaca

Die mexikanische Regierung reagiert auf die Proteste der Menschen mit dem Einsatz des Militärs und paramilitärischen Einheiten.


video von den Ereignissen

Auf dem Video ist zu sehen, wie das Militär die Erstürmung der Universität vornimmt. Auf dem Gelände der Universität befindet sich auch ein unabhängiger Radiosender.

weitere deutschsprachige Infos

Es geschieht nicht hier, aber jetzt!

amnesty international


Die AI-Plakatkampagne in der Schweiz macht auf Menschenrechtsverletzungen in aller Welt aufmerksam.

Bilder von gefolterten Menschen werden in den alltäglichen Kontext verschiedener Städte in der Schweiz gestellt. Damit soll erreicht werden, dass die Menschen in den Metropolen der westlichen Welt für das Thema Menschenrechtsverletzungen sensibilisiert werden.

Weitere Bilder der Kampagne unter: amnesty international

Die schleichende Vertreibung

Zwangsumzüge in Deutschland


Strukturproblem Arbeitslosigkeit


Frau Mayer* ist alleinstehend und lebt seit 1976 in ihrer 2 Zimmerwohnung, damals, vor dem Auszug ihrer Tochter, teilten sich die beiden Frauen die 45qm große Wohnung. Das kleine Schlafzimmer mit dem Kleiderschrank aus Furnierholz ist verdunkelt und angenehm kühl. Hier kommt nie Besuch oder ein Gast hinein. Es gibt ja noch das für deutsche Wohnungen so typische Zimmer mit Couch und dem Fernsehen, der für sich die Zentralperspektive beansprucht und ständig flimmert. Als ich reinkomme, um das Interview mit Frau Mayer zu machen, läuft gerade eine dieser Gerichtsshows.Seit ein paar Jahren ist Frau Mayer jetzt schon arbeitslos und mit über 50 Jahren macht sie sich auch keine große Hoffnung mehr in ihrem Job einen Anstellung zu finden. Gelernt hatte sie in einem Drogerie-Fachmarkt, erzählte sie mir. Das war 1974, also genau ein Jahr nach der Aufhebung der Preisbindung für Drogerieprodukte. Es folgte die Zeit der Drogeriemärkte, die sich mit billigen Produkten Marktanteile verschafften und die Fachmärkte über die Jahre hin verdrängten. Heute gibt es nur noch die großen Discounterketten wie dm oder Schlecker. Mit dem verdrängen der Drogerie-Fachmärkte ging auch ein Abbau der Arbeitsplätze einher.

Hartz IV - ziehen Sie aus ihrer Wohnung aus

Irgendwie hatte Frau Mayer schon ein Vorahnung, dass sich mit den neuen Hartz IV Gesetzen auch für sie etwas ändern wird. Dass es aber so schlimm kommen sollte, damit konnte sie nicht rechnen. Und ich konnte sehen, wie sie mit den Tränen kämpfte, als sie mir den Brief herüber schob, den sie vor zwei Wochen von der ARGE bekommen hatte. Eine Stelle hatte sie mit Textmarker schon hervorgehoben: "Sofern Sie mir Ihre Bemühungen nicht oder nicht ausreichend nachweisen, werde ich prüfen, ob die Unterkunftskosten in der Berechnung Ihrer ALG II Leistung (…) auf die Höhe der Kosten angemessenen Wohnraums beschränkt werden." Die Kosten für einen angemessenen Wohnraum legte die ARGE auf einen Satz von 257,80 Euro fest, für eine Person mit Nebenkosten. "Das sind 50 Euro weniger als die Miete für diese Wohnung kostet", fügte die ältere Dame noch hinzu "Wie soll ich denn die Mietkosten senken? Soll ich zum Vermieter gehen und ihm sagen, dass ich weniger Miete zahle, oder soll ich die Müllabfuhr nicht mehr bezahlen?" stellt mir Frau Mayer rhetorische Fragen. Es war offensichtlich, dass an den Mietkosten nicht viel zu drehen war. Es blieb also nur noch die Möglichkeit offen, die 50 Euro von den 345 Euro Hartz IV Geld selbst zu bezahlen. Dabei ist das Hartz IV Geld schon so eng kalkuliert - müssen doch von diesem wenigen Geld Essen, Kleidung, Strom, Kosten für den Waschsalon etc. bezahlt werden. 50 Euro weniger, das bedeutet in der Situation viel. Meist wird das Geld am Essen eingespart. Oder - die Alternative die bleibt ist, sich eine andere Wohnung zu suchen, die den Kriterien entspricht.Die Kriterien, welcher Satz zugrunde gelegt wird, können die Gemeinden bestimmen. So gibt es von Stadt zu Stadt unterschiedliche Kriterien, die festlegen, welcher Wohnraum bezahlt wird und welcher nicht. In der Stadt in der Frau Mayer lebt, ist der Satz der bewilligt wird für Kaltmiete bei 3,94 Euro/qm. Dass dieser Satz unter dem Mietspiegel von 4,84 Euro/qm liegt zeigt die unrealistischen Phantasiewerte die von Gemeinden aufgestellt werden um den Druck auf Hartz IV Empfänger zu erhöhen. Wie meine Recherchen ergaben, gab es im Monat September genau eine Wohnung die auf die Kriterien der ARGE zugetroffen haben. Eine Wohnung auf über 500 potenzielle Bewerber.

Sinn und Zweck

Welchen Sinn haben diese Maßnahmen? Ist es wirklich so, dass Gelder eingespart werden? Viele der Menschen die ich in den letzten Monaten getroffen habe sagten mir, dass sie sich wie in die Ecke gedrängt vorkommen, dass sie nur noch unruhig schlafen und Angst vor dem nächsten Tag hätten. Auf einer Veranstaltung die von der MLPD organisiert wurde, sagte ein junger Mann mit Brille sehr erbost, was viele im Raum dachten: "Die Maßnahmen sind die reinsten Schikanen, sie dienen nur zur Disziplinierung von Menschen die es aus der Sicht der Behörden zu verwalten gilt."Wie Recht dieser Mann haben sollte, zeigt mir ein Realexperiment bei dem ich mich auf den Weg zum Amt machte. Ausgestattet mit dem Schreiben vom Amt das mir eine Betroffene überlassen hat und einem fingierten Mietvertrag in der Tasche der den Kriterien entsprach saß ich vor der Sachbearbeiterin. Das meine jetzige Wohnung mit nur 5 Euro über den Satz lag und die Kosten für einen Umzug sich mit Mietwagen, Renovierung etc. sicherlich auf 1000 Euro taxiert ließ, war der guten Frau egal. Auch das Argument, dass das ganze doch nicht mehr im Verhältnis stehen würde, wies die Frau nur mit einem Achselzucken zurück. Dass der Mensch nur noch als formalisiertes Individuum, als eine Nummer aufgefasst wird, die abgepackt in kleine Wohneinheiten, genormt, gelistet, vermessen und schön zugeordnet in Verwaltungseinheiten zu haben sein soll, wurde mir auf dem Amt klar. Ich bedankte mich, wofür wusste ich später nicht mehr und sagte, dass ich mir das Ganze doch noch lieber überlegen wolle und verließ den modisch gestrichenen Raum, der sich von den muffigen Ämtern früherer Tage doch deutlich unterschied.Dass es nicht um den Menschen und seine Perspektive geht, zeigt auch ein Blick auf die Kosten. Prof. Dr. Grottian aus Berlin macht eine Vergleichsrechnung auf, die verdeutlichen soll in welchen Dimensionen hier gerechnet werden kann. Er rechnet vor, dass, wenn 300.000 betroffene Haushalte im Schnitt um die 50 Euro zu "teuer" wohnen, käme eine jährliche Mehrbelastung von 180 Millionen auf den Staat zu. Dagegen hält er die 270 Millionen Euro an Ausgabe, also 1/3 mehr, für 4000 zusätzlicher Hartz IV Kontrolleure, deren Aufgabe es sein wird, andere Hartz IV Kontrolleure die es schon gibt, zu kontrollieren. Es wird ersichtlich, dass der Staat hier einen erheblichen Aufwand betreibt, ohne dass Gelder eingespart werden.

Individualität im Spätkapitalismus

Menschen leben in einem Umfeld in dem sie Nachbarn kennen, mit den Menschen vertraut sind. Wenn man über 30 Jahre wie Frau Mayer an einem Ort gewohnt hat, wo die Kinder aufgewachsen sind, verbindet sich mit diesem Ort etwas. Ein Umzug, selbst in einen anderen Stadtteil, können nur Ignoranten oder ein ignorantes System als unwichtig abqualifizieren. Mir klingen noch immer die ehrlichen Worte meiner Interviewpartnerin im Ohr: "Ich habe hier mein Leben gelebt und das wollen die mir alles wegnehmen. Ich meine das ist unmenschlich und nicht mehr menschenwürdig, was die mit mir machen in meinem Alter. Ich kann das nicht verstehen, dass die so was von mir verlangen, ich krieg das nicht in meinen Kopf rein." Die Worte beeindruckten mich zutiefst, weil ich die Sorge um sich in den Augen der Frau sehen konnte.Der einzelne Mensch zählt in der bürgerlichen Gesellschaft nicht mehr. Von der viel gepriesenen Individualität die auf Gleichheit aufbaut wird von der Allgemeingültigkeit dieser Behauptung alles wieder zurückgenommen. Die abstrakte Gleichheit der Individuen in der kapitalistischen Gesellschaft realisiert sich als konkrete Ungleichheit, denn ein immer größer werdender Teil verfügt über nicht genug Kaufkraft, um die Sicherung ihres Glücks auf den Wohnungsmarkt zu realisieren. Menschen fallen durch ein Raster ohne Hoffung darauf, ein selbstbestimmtes Leben in Würde jemals leben zu können.

*Name geändert